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WERKSTÄTTENLEITERTAGUNG 2010
Wien/TGM - Den Herausforderungen der neuen Lehrplangeneration durch innovative Ausbildungskonzepte begegnen und den fachpraktischen Stellenwert der HTL-Ausbildung weiter untermauern.
Vom 25. bis zum 26. Februar 2010 fand in Wien am TGM die Werkstättenleiter/- innen "welt 2010" statt. Zwei Tage mit anspruchsvollem Programm umrahmt von engagierten Diskussionen machten deutlich, dass der fachpraktische Unterricht und seine zeitgemäße und Organisation mehr denn je gefragt und gefordert ist. Die HTL ist eine in Europa hoch geschätzte und anerkannte Ausbildungsschiene, deren praktischer Wert unbestritten ist und die durch entsprechende Positionierung der vermittelten Qualifikation im europäischen und nationalen Qualifikationsrahmen (EQF, NQR) und Qualitätsmanagementsystemen ihrem Wert entsprechend dargestellt werden muss.
Qualifikationsrahmen und Qualitätsmanagement
In seinen eröffnenden Worten steckte MR DI Dr. Werner Timischl die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der HTLs ab und wies insbesondere auf die Bedeutung der Einstufung der HTL-Ausbildung im nationalen als auch im europäischen Qualifikationsrahmen hin. Entgegen der bekannten demografischen Entwicklungen der 14 Jährigen in Österreich haben die technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Schulen in diesem Schuljahr rund 2% mehr Schüler/-innen als im Jahr davor. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 1200 Personen, die eine fundierte und im Vergleich zu anderen Branchen zukunftssichere Ausbildung erhalten. Einen wesentlichen Beitrag zur hochwertigen Ausbildung trägt der fachpraktische Unterricht in Werkstätten, Werkstättenlaboratorien und Laboratorien, durch den für die Schüler/-innen die Praxisrelevanz der Ausbildung erkennbar und erlebbar wird. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis stellt jenes Element dar, durch das die zukünftigen Ingenieure einen von der Wirtschaft bestätigten, bedeutenden Wettbewerbsvorteil erhalten. Die technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Schulen wollen diesen Vorteil im Rahmen der Qualitätsinitiative HTL Q-SYS weiter ausbauen. Landesschulinspektor DI Dr. Wilhelm König hat die Zusammenhänge zwischen Europäischen Qualitätsinitiativen und dem nationalen System dargestellt und ist in seinem Vortrag auf die laufenden bundesweiten Ziele eingegangen.
Sicherheit wird in der fachpraktischen Ausbildung GROSS geschrieben
Im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen standen Anforderungen an die Werkstättensicherheit und die praktische Umsetzung der rechtlichen Vorschriften. Dazu beleuchtete DI Krähan, AUVA, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die fachpraktische Ausbildung aus der Sicht der Maschinen- und Arbeitssicherheit. DI Hulak, Fa. TMC berichtete in weiterer Folge über die Erfahrungen, die sein Unternehmen bei der Begutachtung von Werkstätten in Vorarlberg gemacht hat. Er zeigte in sehr anschaulicher Weise exemplarisch auf, welche Verbesserungs-maßnahmen jedenfalls zu treffen sind. Durch die Kategorisierung der Maschinen in „Gefahrenklassen“ ergibt sich für die Schulen eine klare Prioritätenreihung für die zu treffenden Verbesserungsmaßnahmen.
Im Rahmen einer bundesweiten Initiative werden allen Schulen die verfügbaren Informationen bereitgestellt. In einigen Landesschulratsbereichen wie etwa Tirol und Vorarlberg sind die notwendigen Maßnahmen beinahe abgeschlossen. Die rasche Durchführung der Verbesserungs-maßnahmen wurde durch erhebliche Unterstützung der Lehrer/-innen des fachpraktischen Unterrichts ermöglicht. Neben einer Verbesserung der Lern- und Arbeitssituation haben sich auch das Sicherheitsbewusstsein und die Sensibilität für sicherheitsrelevante Fragen deutlich gesteigert. DI Gabriel, ÖVE, hat die Vorgangsweise in Bezug auf die Sicherheit von elektrotechnischen Anlagen bzw. Labors dargestellt.
„Höhere Lehranstalt neu“ - Lehrplangeneration 2010
Lag am ersten Tag ein Schwerpunkt auf operativen Maßnahmen rund um die Qualität des Unterrichts, so erfolgte am Beginn des zweiten Tages ein Wechsel hin zu einem wichtigen strategischen Projekt, nämlich der Neuauflage der Lehrpläne der Höheren Lehranstalt. OR Mag. Wolfgang Pachatz, Abteilung II/2a, bmukk, stellten die Rahmenbedingungen sowie die wesentlichen Elemente der neuen Lehrplangeneration vor und ging dabei auf die für den Werkstättenunterricht relevanten Passagen des Lehrplanes ein. Die ersten Lehrpläne der neuen Lehrplangeneration sollen ab Herbst 2010 in Kraft treten (u.a. in den Fachrichtungen Elektronik, Bautechnik, Gebäudetechnik,…). Nicht nur inhaltlich wurde nach intensiven Diskussionen neue Wege vorgeschlagen auch in der Bezeichnung einiger Unterrichtsbereiche wurden Traditionen zurückgelassen um attraktive, dem heutigen Berufsfeld angepasste Benennungen zu finden. Nicht alle Bezeichnungen fanden die uneingeschränkte Zustimmung des Auditoriums, deshalb wurden weitere Informationen und Diskussionen angekündigt um eine gemeinsame Lösung zu finden.
Als Grundlage für die Neuausrichtung des fachpraktischen Unterrichts hat das bmukk gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung (ÖIBF) das Projekt „Produkt- und Prozessorientierung im fachpraktischen Unterricht“ gestartet. Mag. Peter Schlögl (Geschäftsführer des ÖIBF) hat die wesentlichen Elemente des Projekts erläutert. Anhand von fachrichtungstypischen Produkten sollen die im fachpraktischen Unterricht vermittelten Lernergebnisse sichtbar gemacht werden. Die Herstellung der Produkte erfolgt über mehrer Jahrgänge oder Klassen und bezieht auch Teile des fachtheoretischen Unterrichts mit ein. Dadurch sollen Schüler/-innen die Zusammenhänge von Fachtheorie und Fachpraxis besser erfahren können. Wie die Umsetzung im Unterricht aussehen kann, zeigt sich bereits bei den in der Pilotierungsphase befindlichen Modellprojekten der Fachrichtungen Elektronik (TGM), Elektrotechnik (Klagenfurt, Mössingerstraße), Maschineningenieurwesen (Hollabrunn und Hallein) und Wirtschaftsingenieurwesen Weiz). Die Erfahrungen der Pilotierungen werden in die weitere Entwicklung einfließen. Das Projekt Produkt- und Prozessorientierung wird in der Gestaltung der neuen Lehrpläne Berücksichtigung finden.
Die Tagung "welt 2010" versammelte circa 130 Teilnehmer/-innen aus dem Kreis der Werkstättenleiter/-innen, Abteilungsvorstände/-innen, Direktoren/innen sowie der Landesschulinspektoren/-innen und des BMUKK. Auch Vertreter/-innen der AUVA haben an einem intensiven Gedankenaustausch teilgenommen. Den stimmigen Rahmen für diese wichtige Tagung könnte das TGM bereitstellen. Das Organisationskomitee rund um WL Ing. Paul Lutonsky und WL Ing. Ulli Sax hat hervorragende Arbeit geleistet.
Die Herausforderungen der Zukunft werden mit Konzepten und konkreten Umsetzungsplänen von heute bewältigt werden, die im offenen Austausch der Gedanken, Ideen und Vorbehalte im Rahmen solcher Tagungen geboren werden.
Ing. Mag. Bernd Mayr/TGM
Die Tagungsunterlagen befinden sich auf QIBB/Interne Dokumente/Veranstaltungen/Werkstättenleitertagung_Welt 2010 (Teil 1-3)




